http://www.conditionedtasteaversion.net à deutsche Zusammenfassung von L. K. Nicolaus
„Conditioned Taste Aversion“ (CTA) oder „Konditionierte Geschmackabneigung“ ist eine einzigartige und äußerst wirkungsvolle Lernmethode, durch die bei Tieren der Drang nach ausgewählter Nahrung auf dem Wege assoziierter Übelkeit langfristig unterbunden werden kann.
Da mit Hilfe von CTA Angriffe von Wölfen und anderen Raubtieren auf Haustiere
unterdrückt werden können, ist die Methode ein geeignetes Mittel zur Bewältigung
von Konflikten mit landwirtschaftlichen Interessengruppen, die eine
Wiederansiedlung von Wölfen in freier Wildbahn ablehnen. Vergleichbare
Ergebnisse gelangen mit anderen Tierarten, die durch ihren Nahrungserwerb Schäden
anrichten können.
In einem gezielten Versuch gelang Carl Gustavson bereits 1974 die Etablierung
von CTA bei Wölfen und Coyoten. Durch die Aussetzung der Angriffe auf Schafe
und andere Beutetierarten demonstrierte er die Erfolgsmöglichkeiten dieser
Methode. In seinem Versuch wurde den Raubtieren, die vorher routinemäßig
Schafe angegriffen, getötet und verzehrt hatten, Schaffleisch verabreicht, das
mit einer nicht zu schmeckenden, aber Übelkeit erzeugenden Substanz versetzt
war. Diese Übelkeit dauerte ungefähr 30 Minuten. Danach erhielten die Tiere
mehrere Tage ihre gewöhnliche Nahrung. Nach kurzem Nahrungsentzug wurden sie
dann in einem Gehege mit lebenden, völlig schutzlosen Schafen zusammengesperrt.
Während der langzeitigen und mehrfach wiederholten Versuche blieb der
Angriffsinstinkt der Raubtiere stets unterdrückt - die Schafe überlebten die
Begegnung mit den hungrigen Jägern unverletzt.
Weitere Versuchsreihen mit gefangenen Füchsen, Ratten, Habichten, Pumas,
Schwarzbären und anderen Spezies haben bestätigt, dass bei richtiger
Versuchsanordnung die Bereitschaft von Raubtieren, ausgewählte Beutetierarten
anzugreifen, drastisch und anhaltend reduziert werden kann. Nicht nur unter
Gefangenschaftsbedingungen, sondern auch in der freien Wildbahn konnten
entsprechende Erfolge bei einer Vielfalt von Raubtierarten erzielt werden. Durch
die Verabreichung von präpariertem Köderfleisch wurde auch in der Natur bei
Coyoten, Raben, Krähen, Waschbären und Schwarzbären und anderen Arten eine
Unterbindung ihrer Angriffslust auf ausgewählte Beutearten erzielt.
Obwohl eine überwältigende Menge an wissenschaftlichen Beweisen für den
Einsatz von CTA in der Praxis spricht, haben der U. S. Fish and Wildlife Service
und das U. S. Department of Agriculture (Landwirtschaftsministerium) CTA von der
Liste möglicher Managementmaßnahmen zur Kontrolle von Wolfsattacken gestrichen.
Diese Entscheidung beruht auf Ergebnissen amtseigener Studien, bei denen CTA als
Kontrollmittel versagt haben soll. Diese Studien sind meiner Meinung nach vom
Ansatz her fehlerbehaftet und deshalb misslungen. Auf der Basis dieser
fehlerhaften Untersuchungen werden seitens des Amtes weiter Methoden propagiert,
die unzureichend und weniger aussichtsreich zur Erreichung der Ziele sind. CTA
wird durch die zuständigen Ministerien bis heute allein aus amtseigenen
Interessen heraus und entgegen anerkannter wissenschaftlicher Ethik abgelehnt.
Ohne ernstzunehmende Versuche, die Forschungsarbeiten von Gustavson und anderen
mit vergleichbarem Untersuchungsansatz zu wiederholen, entstand durch die
Darstellung der Ministerien ein völlig falsches Bild in der Öffentlichkeit über
die Möglichkeiten und Chancen von CTA.
In Anbetracht dieser Situation plädiere ich für die Ernennung eines unabhängigen,
auf dem Gebiet der Verhaltensbiologe kompetenten Forschungsgremiums, das die
wegweisenden Untersuchungen von Gustavson erneut aufgreift und bei Wahrung
humaner Forschungsmethoden unter den Augen der Öffentlichkeit überprüft.